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Der Schwarze Makropode von Hue (Vietnam) Macropodus concolor (Ahl,1937)
Text und Fotos von Thomas Seehaus
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Im Herbst 1999 bereisten die IGL-Mitglieder Bernd Keiler, Harald Hehl und Petra
Farnbacher-Hehl Vietnam und konnten unter anderem einige Jungtiere von
Macropodus concolor aus der Umgebung von Hue erfolgreich importieren.
Bernd Keiler hat die Tiere nachgezogen und auf der Frühjahrstagung der IGL
in Herne (2000) konnte ich acht, etwa 2 cm lange, Jungtiere der F1-Generation in
Empfang nehmen.
Die Fische bezogen ein 25 l Aquarium, in dem sie erst einmal wachsen sollten.
Glücklicherweise besaß ich zur gleichen Zeit einen etwa gleich alten
Schwarm Jungfische des Aquarienstammes, so dass die beiden Formen gut verglichen
werden konnten.
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 Abb. 1.: Männchen Aquarienstamm
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In der Körperform zeigen die beiden Varianten bei der Größe von
2,5 - 4 cm kaum Unterschiede, die Wildform ist allenfalls etwas schlanker. Auch
die Körpergrundfarbe ist weitgehend identisch, ein leicht bräunliches
Grau. Die Wildform zeigt jedoch eine leichte, senkrecht verlaufende, schwarze
wurmförmige Strichzeichnung auf den Flanken, die ich bei meinem
Aquarienstamm noch nicht bemerkt hatte. Auch die Flossenhäute der unpaaren
Flossen weisen eine schwarzes Punktmuster auf, was die Flossen, vor allem die
Schwanzflosse, leicht kariert erscheinen lässt. Wie auch die Aquarienform
besitzen sie weiße, nach innen rot abgesetzte, Flossensäume, mit
jedoch sehr viel kräftigeren Farben. Vor allem die Rotfärbung der
Afterflosse ist kräftiger und leuchtender als bei meinem Aquarienstamm.
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 Abb. 2.: Weibchen Aquarienstamm
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Die Fische waren zunächst untereinander sehr friedlich, so wie ich es
bisher von Macropodus concolor gewöhnt war. Überrascht war ich
jedoch, als das stärkste Männchen bereits bei einer Länge von nur
3-4 cm territorial zu werden begann. Es baute an der Frontscheibe ein kleines
Schaumnest und begann die erst 2-3 cm langen Weibchen anzubalzen, wobei er fast
schwarz gefärbt war. Auch startete er heftige Attacken gegen die Fische in
den Nachbarbecken (ausgewachsene Macropodus ocellatus, sowie Betta
imbellis und Betta smaragdina). Es dauerte auch nicht lange bis ein
erstes Ablaichen stattgefunden haben musste. Eines Abends stand das
Männchen mit weit abgespreizten Flossen unter dem Nest und attackierte
alles, was ihm zu nahe kam, selbst meinen Finger.
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 Abb. 3.: Männchen
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Das Weibchen, mit dem er abgelaicht haben musste, hielt sich mit ebenfalls stark
gespannten Flossen in der Nähe des Nestes auf und griff die anderen Fische
an, die sich dem Nest zu nähern versuchten. Es war fast schwarz
gefärbt, die anderen Makropoden jedoch hell bräunlich-grau. Das
Männchen selbst zeigte seine normale Färbung. Kam das Weibchen dem
Nest selbst zu nahe, wurde es vom Männchen angedroht und abgedrängt,
jedoch konnte ich keine heftigen Attacken gegen das Weibchen bemerken.
Bei meinen "Aquarien"-concolor habe ich ein derartig frühes
Ablaichen bislang nicht beobachten können. In der Literatur ist ein solches
Verhalten für wildlebende Populationen verschiedener Fischarten jedoch
beschrieben.
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 Abb. 4.: Weibchen
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Durch den hohen Feinddruck erreichen nur sehr wenige Tiere das
Erwachsenenalter. Ein frühzeitiger Eintritt in die Vermehrungsphase, und
damit eine kürzere Generationsdauer, ermöglicht den Fischen,
Ressourcen schneller und effizienter zu nutzen. Zum Beispiel können
zwischenzeitlich trocken gefallene Gewässer schneller wieder neu besiedelt
werden und die Fische können ihre Gene in die nächste Generation
retten, bevor sie gefressen werden.
Bei Aquarienpopulationen ist diese Fähigkeit sicher weniger wichtig. Obwohl
man bestimmt auch bei diesen mit sehr jungen Paaren züchten kann.
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 Abb. 5.: balzendes Paar
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In der Revision der Gattung Macropodus durch Freyhof und Herder (2002)
wurde der Name Macropodus concolor (Ahl, 1937) als Juniorsynonym zu
Macropodus spechti (Schreitmüller, 1936) aufgefasst. Falls diese
Auffassung allgemein akzeptiert wird, wird letzterer Name gültig. Einige
Wissenschaftler haben der Umbenennung inzwischen aber wiedersprochen, da die
Beschreibung von Schreitmüller erhebliche Mängel aufweißt. Ich
selbst bin mit den Regularien der Internationalen Nomenklaturkommission nicht
vertraut, möchte aber dennoch an dieser Stelle für die Beibehaltung
des weitgehend akzeptierten Namens Macropodus concolor plädieren.
Die Prioritätsregel, d.h. eine ältere Beschreibung hat Vorrang vor einer
jüngeren, ist sicher sinnvoll und sollte angewandt werden, sofern die
frühere Arbeit den Ansprüchen der wissenschaftlichen Gemeinschaft
entspricht. Für den internationalen Sprachgebrauch erscheint mir auch eine
gewisse Namenskonstanz wichtig. Zudem beschreibt die Bezeichnung
"concolor" sehr treffend die augenscheinlichen Eigenschaften dieser
Fischart.
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 Abb. 6.: balzendes Paar
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Letzte Änderung: 09.04.2003
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Literatur
- Freyhof, Jörg & Herder, Fabian, 2002, "Review of the paradise
fisches of the genus Macropodus in Vietnam, with description of two new
species from Vietnam and southern China (Perciformes: Osphronemidae)",
Ichthyol. Explor. Freshwaters, Vol 13, No. 2, pp 147-167
- Paepke, H.-J., 1994, Die Paradiesfische, Die neue Brehm-Bücherei
Bd. 616, Westarp Wissenschaften, Magdeburg
- Thomas Seehaus & Jürgen Schmidt, Ihr Hobby Makropoden -
Paradiesfische, bede-Verlag, Ruhmannsfelden, 2002
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Hinweis: Die Abbildungen 1 und 2 wurden mit der Nikon F80 und dem 100er Makro
von Vivitar auf Kodak EBX aufgenommen.
Die Abbildungen 3 - 6 wurden mit der Nikon Coolpix 5700 im Makromodus mit
entfesseltem Blitz aufgenommen bei manueller Fokussierung und
Blitzleistungskorrektur um -1 Blende aufgenommen.
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