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Der Paradiesfisch von Quan Nam (Da Nang Provinz, Vietnam) Macropodus opercularis
(Linnaeus 1758)
Text und Fotos von Thomas Seehaus
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Die Paradiesfische gehören schon seit vielen Jahren zu meinem festen Fischbestand. Diese
schönen Fische mit dem interessanten Verhalten hatten mich schon immer fasziniert. In meinen
frühen Jahren als Aquarianer traute ich mich aber nicht so recht an sie heran, da sie im Ruf
standen, sehr agressiv zu sein. Irgendwann zog dann doch einmal ein Paar in eines meiner Aquarien
ein, und ich war erstaunt wie friedlich sie eigentlich waren, zumindest nicht aggressiver als
die meisten Zwergbuntbarsche.
Über die Jahre hinweg habe ich dann versucht einen kräftigen und vitalen Stamm
herauszuzüchten, der der Wildform (in meiner Vorstellung) möglichst nahe kam. Bei meinen
Besuchen in den diversen Zoogeschäften hatte ich stets ein Auge auf kräftige und gesunde
Makropoden, die ich in meinen Stamm einkreuzte. In der ganzen Zeit machte ich keinerlei schlechte
Erfahrungen mit den Makropoden. Sehr kleine Fische oder auch Guppys mit fahnenartigen Schwänzen
sind sicher nicht die passenden Beifische, da sie schon einmal mit dem Futter verwechselt werden
können. Ansonsten interessieren sie sich kaum für die Mitbewohner im Aquarium, solange sie
nicht in Fortpflanzungsstimmung sind und ihr Revier (Umgebung des Schaumnestes) vehement
verteidigen.
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 Abb. 1.: Balzendes Paar
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Wie konnte es zu der Diskrepanz zwischen dem schlechten Ruf der Fische und ihrem tatsächlich
eigentlich sehr angenehmen Verhalten im Aquarium kommen?
Eine mögliche Erklärung wäre, dass den frühen Aquarianern Fische, die zumindest
gelegentlich revierverteidigend und dann aggressiv sind, wenig bekannt waren. Eine andere, dass in
den mehr als 130 Jahren, die seit der Ersteinfuhr 1869 vergangen sind, eine mehr oder weniger
unbewußte Selektion in Richtung besserer Verträglichkeit stattgefunden hat.
Seit Jahren hatte ich daher den Wunsch, meine Aquarien-Makropoden einmal mit echten Wildformen zu
vergleichen. Auf Grund der politischen Verhältnisse in China und Vietnam, den
Heimatländern der Paradiesfische, gelangten jedoch jahrzehntelang keine Wildfänge nach
Europa.
Glücklicherweise ändern sich politische Verhältnisse gelegentlich, und mit der
zunehmenden Öffnung dieser Länder für den westlichen Tourismus gelangen jetzt auch
wieder ursprüngliche Makropoden-Stämme nach Europa. |
 Abb. 2.: Beginn der Umschlingung
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Als ich vor zwei Jahren Fabian Herder im Museum Alexander König in Bonn besuchte, um einige
Rotrückenmakropoden abzuholen, bekam ich von ihm auch ein Wildfangpärchen Paradiesfische
aus Vietnam geschenkt, die er in der Nähe von Quang Nam in der Provinz Da Nang gefangen hatte.
Leider versäumte ich es, rechtzeitig Fotos von diesen Fischen zu machen. Die Abbildung eines
Wildfang-Männchens findet sich jedoch in Fabian Herders Artikel in der Datz 7/2001.
Von meinem Aquarienstamm unterschieden sich die Fische vor allem durch die kaum ausgezogenen
Schwanzflossen. Im Körperbau wirkten sie etwas "hagerer" als meine recht kräftigen
"Hausfische". Die Wildform zeigte eine gleichmäßige blaue Streifung des Körpers ohne
Verzweigungen, wie sie die Aquarienexemplare oft aufweisen. Erst im Brustbereich löst sich
diese in einzelne blaue Flecken auf.
Zu Hause angekommen bezog das Paar ein 25 Liter fassendes Aquarium. Dort waren sie zunächst
recht unscheinbar und auch ziemlich lethargisch. Mehrere Wochen zogen ins Land,ohne dass etwas
nennenswertes passierte und ich war doch ziemlich enttäuscht. Waren die Fische schon zu alt?
Bei Wildfängen weiß man das ja nie so genau.
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 Abb. 3.: Umschlingung
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Von Agression zwischen den beiden war nichts zu spüren. Meist standen sie
friedlich nebeneinander in den Pflanzen. Die Fische waren recht scheu und beobachteten alles um sie
herum sehr genau. Auf die Fische in den Nachbarbecken reagierten sie kaum.
Bei der Fütterung nahmen sie mehr zögerlich einige Mückenlarven und verschwanden
wieder in den Pflanzen. Von einem Schaumnest oder Balzverhalten keine Spur.
Einige Wochen später mußte ich dann auch noch feststellen, dass das Weibchen auf der
Schwanzwurzel eine offene Stelle hatte. Eine Bisswunde oder eines der gefürchteten
Geschwüre? Um das Weibchen nicht zu gefährden, entfernte ich das Männchen. Mit
häufigen Wasserwechseln und medikamentöser Behandlung versuchte ich das Weibchen zu
retten. Als sich nach zwei Wochen immer noch keine wesentliche Besserung zeigte, setzte ich das
Männchen wieder in das Aquarium zurück.
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 Abb. 4.: Rückenlage
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Jetzt geschah etwas, das ich so nie erwartet hätte. Das Männchen glitt aus dem Netz und
sank zu Boden, wo es erst einmal liegen blieb. Kaum sah das Weibchen das Männchen, erstrahlte
es in den prächtigsten Farben und umflatterte aufgeregt das Männchen mit weit
aufgespannten Flossen, wie man es sonst nur umgekehrt sieht. Man konnte direkt den Eindruck
gewinnen, "Sie" sei "überglücklich", dass "Er" endlich wieder bei ihr war. Nach kurzer
Zeit erwiederte das Männchen die Balz in gleicher Intensität. Ich war regelrecht von der
"Wiedersehensfreude" der beiden ergriffen. Am nächsten Tag haben die beiden dann endlich
abgelaicht.
Nun, man darf Vergleiche des Verhaltens von Menschen und anderen Tieren sicherlich nicht
überstrapazieren, selbst wenn es sich um barschartige Fische, eine der am höchsten
entwickelten Gruppe der Knochenfische, handelt. Ob Fische so etwas wie Emotionen haben können,
kann ich natürlich nicht beurteilen. Durch viele Beobachtungen bei meinen Makropoden bin ich
der festen Überzeugung, dass sich die Tiere individuell kennen und auch bis nach einer gewissen
Zeit wiedererkennen können. Dies ist allerdings bei Fischen, die eine Rangordnung aufbauen
können, auch unbedingt notwendig.
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 Abb. 5.: Paar friedlich unter dem Nest
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Von
mehr oder weniger festen Paarbindungen bei Makropoden habe ich weder gelesen, noch konnte ich bisher
etwas derartiges beobachten, in Ansätzen vielleicht bei Macropodus hongkongensis. Ich
will dies hier auch keineswegs postulieren, es ist ja bekannt, dass sich ein Ablaichen oft
provozieren lässt, wenn man die Partner für ein paar Tage trennt. Mich hat in diesem Fall
nur
die Intensität der "Wiedersehensfreude"überrascht.
Das Ablaichen habe ich nicht beobachten können. Brutpflege und Aufgabenteilung entsprachen
genau dem, was ich von den anderen Makropoden gewohnt war. Nachdem die Jungfische freigeschwommen
waren, setzte ich das Paar in eine meiner Balkonwannen, wo es den Sommer verbringen sollte.
Irgendwann ist dann das Weibchen gestorben. Beim Abfischen im Herbst war nur noch das Männchen
da, es waren auch keine weiteren Jungen in der Wanne. Ein weiteres Ablaichen hat offensichtlich
nicht stattgefunden.
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 Abb. 6.: Balzendes Paar
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Im Aquarium gesellte ich dem Männchen dann ein Weibchen meines Aquarienstammes zu, um noch
etwas von seinen Genen zu konservieren. Es dauerte ein paar Tage bis dieses Paar ablaichte. Diese
Rückkreuzung ergab nur wenige Jungfische, die sich jedoch zu besonders prächtigen
Exemplaren entwickelten (Abb. 7, 8). Hierbei könnte der aus der Genetik bekannte
Heterosiseffekt eine Rolle gespielt haben.
Bei dem alten Wildfang-Paar konnte ich keine stärkere Aggression im Vergleich zu dem
Aquarienstamm feststellen. Die F1-Tiere waren jedoch deutlich aggressiver. Als ich das Paar, das auf
den Abbildungen 1 - 6 zu sehen ist, nach dem Freischwimmen der Jungen in das Aquarium mit den
anderen Makropoden zurücksetzte, griff das nach wie vor territorial gestimmte Männchen die
anderen vehement an. Obwohl weder Schaumnest noch Junge vorhanden waren, setzte sich dies einige
Tage fort, so dass das einst prächtige Fischlein inzwischen arg zerschunden aussieht.
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 Abb. 7.: Rückkreuzung
mit Aquarienstamm, Pärchen
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Beim Ablaichen gibt es eine interessante Parallele zu Macropodus ocellatus. Hier wie dort
färben sich die Weibchen bei der Balz um und werden hell cremefarben (vgl. Abb. 1 und 5/6). Bei
meinem Aquarienstamm von Macropodus opercularis ist mir diese nie so stark aufgefallen.
Interessant finde ich auch die Beobachtung, dass die Männchen der F1-Generation (Abb. 1-6)
bereits längere Flossenzipfel wie die Wildfänge aufweisen. Die Verlängerung der
Flossenauszüge bei den Aquariennachzuchten wurde bereits von Paepke (1994) beschrieben. In der
F2-Generation scheint sich dieser Trend weiter fortzusetzen. Über die Ursachen dafür ist
mir nichts bekannt.
Fazit: Die in jüngster Zeit vermehrt eingeführten Wildstämme der
Paradiesfische sind eine echte Bereicherung für jeden Makropoden-Fan und verdienen sicherlich
eine stärkere Beachtung bei den Labyrinthfisch-Freunden. Vor allem aber zeigen sie noch das
unverfälschte Verhaltensrepertoire der Wildtiere ohne Anpassungen an die Bedingungen der
Gefangenschaft, was die Möglichkeit zu interessanten Beobachtungen gibt.
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 Abb. 8.: Rückkreuzung
mit Aquarienstamm, Männchen
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Letzte Änderung: 19.5.2003
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Literatur
- Stansch, K., Der Makropode, 1909, Bibliothek für Aquarien- und Terrarienkunde, Verlag von
Gustav Wenzel und Sohn in Braunschweig
- Herder, F., und J. Freyhof, 2001, Überraschendes und Neues von alten Bekannten, Datz (7)
S. 20 ff.
- Paepke, H.-J., 1994, Die Paradiesfische, Die neue Brehm-Bücherei Bd. 616, Westarp
Wissenschaften, Magdeburg
- Seehaus, T. & J. Schmidt, Ihr Hobby Makropoden - Paradiesfische, bede-Verlag,
Ruhmannsfelden, 2002
- Seehaus, T., 2000, Bunte Farben, Prächtige Flossen, Paradiesfische, Macropodus
opercularis Aqarium live 4(5), 1, 4, 20-28
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Hinweis: Die Abbildungen wurden mit der Nikon Coolpix 5700 im Makromodus mit
entfesseltem Blitz bei manueller Fokussierung und
Blitzleistungskorrektur um -1 Blende aufgenommen.
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