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Der Hongkong - Paradiesfisch Macropodus hongkongensis (Herder & Freyhof 2002)
Text und Fotos von Thomas Seehaus
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Bei Recherchen nach Informationen zum Thema Makropoden stieß ich 1999 im Internet
zufällig auf Prof. Dudgeon's Homepage. Er ist
Ökologe an der Universität von Hongkong und hatte 1996 bei der Untersuchung verbliebener
aquatischer Biotope in der Umgebung von Hongkong neben Macropodus opercularis auch
Populationen von Paradiesfischen entdeckt, die er, wegen der eher tristen Farben, als Macropodus
concolor auf seiner Seite vorstellte. Diese Tatsache fand ich damals sehr erstaunlich, da in der
Literatur (z. B. bei Paepke, 1994) lediglich die Umgebung der Stadt Hue in Zentral-Vietnam als
Fundort angegeben wurde. Leider gab es zu diesem Zeitpunkt keine Möglichkeit an Fische aus
dieser Population zu kommen, um sie mit den bekannten Stämmen zu vergleichen. In der
Zwischenzeit haben etliche Wissenschaftler und Aquarianer Vietnam bereist und konnten auch einige
Wildformen von Makropoden nach Europa importieren. Dudgeon's "Schwarzer" Paradiesfisch hat
inzwischen Eingang in die wissenschaftliche Literatur gefunden. In der Revision der Gattung
Macropodus durch Freyhof & Herder (2002) erlangte er Artstatus und wurde als
Macropodus hongkongensis beschrieben.
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Abb. 1.: Nicht territorial gestimmtes Männchen
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Während der Herbsttagung der IGL in Berlin im September 2002
konnte ich einige der seltenen Fische von Jörg Freyhof übernehmen, dem ich dafür an
dieser Stelle noch einmal danken möchte.
Hongkong-Makropoden wurden bislang nur in fünf Feuchtgebieten in der Umgebung von Hongkong
gefunden. Der größte dieser Biotope, "Sham Chung marsh", wurde bereits zerstört
(Chan und Töpfer, 2000). Zur Zeit sind nur noch sehr wenige Vorkommen in der Tai Po Gegend
bekannt. Die Art ist in der Natur sehr stark durch gewässerbauliche Maßnahmen gefährdet.
Von amtlichen Stellen in China wird diese Art als Farbvariante von Macropodus opercularis
angesehen und daher als nicht schützenswert eingestuft. Möglicherweise können wir
schon in absehbarer Zeit keine Fische mehr aus natürlichen Populationen bekommen. Wir sollten
daher alle Mühe daran setzen, diese interessante Art im Aquarium zu erhalten.
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Abb. 2.: Nicht territorial gestimmtes Weibchen
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Worin unterscheiden sich die Hongkong-Paradiesfische denn überhaupt von den
Schwarzen Makropoden?
Nun, ein wichtiges Merkmal ist schon auf den Bildern auf Dudgeon's Homepage zu erkennen, der
deutlich sichtbare, teils gelb bis rot begrenzte Opercularfleck. Dieser ist bei Paepke (a.a.O.,
S. 25) eines der Merkmale, die zur Abgrenzung von Macropodus opercularis und
Macropodus concolor herangezogen werden. Der deutlich sichtbare Opercularfleck, sowie die
eher an opercularis erinnernde Schwanzflossenform, sprechen für eine nähere
Verwandschaft zu opercularis als zu concolor. Eine weitere Besonderheit sind die
gelblichen ersten Bauchflossenstrahlen, die nicht, wie bei den anderen Makropoden in einer
andersfarbigen Spitze auslaufen. Die Färbung ist insgesamt blasser. Bei Wohlbefinden
können die Fische jedoch ansprechende Rottöne in der After- und Schwanzflosse aufweisen
(vgl. Abb. 1).
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Abb. 3.: Imponierendes Männchen
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Vor allem bei territorial gestimmten Tieren tritt eine dunkle Streifenzeichnung im Gesicht und
Nacken auf, wobei eine von der Oberlippe durch das Auge zum Opercularfleck und von dort fast
senkrecht nach oben verlaufende winkelförmige Zeichnung bei den lebenden Tieren oft deutlich
hervortritt (s. Abb. 4-7).
In der Literatur wird den Makropoden insgesamt oft eine starke innerartliche Aggression
zugeschrieben. Dies trifft für die meisten Arten allerdings nur eingeschränkt zu (Seehaus,
2000). Der Hongkong-Paradiesfisch wird dieser Einschätzung allerdings voll und ganz gerecht.
Aus den 20 Fischen, die ich in Berlin erhielt, gelang es mir gerade einmal drei harmonisierende
Paare zusammenzustellen. Auf dem Weg dahin habe ich allerdings einige Tiere durch die extreme
Aggressivität verloren. Gegenüber anderen Fischen sind sie jedoch absolut friedlich, es
sei denn sie befinden sich gerade in der Brutpflege oder die Fische sind so klein, dass sie als
Futter angesehen werden. Haben sich die Paare jedoch gefunden, sind schwere Verletzungen während
Balz und Brutpflege selten. Die Fische können sogar kurzzeitig getrennt werden, um dem Weibchen
Ruhe zu verschaffen und damit es Laich ansetzen kann. Werden sie dann wieder zusammen gebracht,
kommt es meist nur zu einer kurzen "Wiedersehens-Rauferei", die ohne üble Verletzungen abgeht.
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Abb. 4.: Balzendes Paar
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Meine bisherigen Erfahrungen mit Makropoden haben in mir die Überzeugung reifen lassen, dass
sich diese Fische individuell erkennen können. Siehe dazu auch meinen Aufsatz zu
Macropodus opercularis (Quang Nam). Eine solche Fähigkeit ist
allerdings bei Fischen, die eine Rangordnung aufbauen können, auch notwendig. In hinreichend
großen Aquarien sollte es daher auch möglich sein, mehrere Paare dieser Art zu
vergesellschaften, genügend Versteck- und Rückzugsmöglichkeiten vorausgesetzt.
Auf Abb. 2 ist ein Weibchen zu sehen, dass ich einige Tage zuvor von seinem Männchen
getrennt hatte, nachdem die Jungfische des letzten Ablaichens freigeschwommen waren. Es befand sich
alleine im Fotobecken und war nicht aggressiv gestimmt, was an der hellen Färbung zu erkennen
ist. Abb. 3 bis 5 entstanden wenige Minuten später, kurz nachdem ich das Männchen dazu
gesetzt hatte. Die beiden gingen sofort zur Balz über, unterbrochen allerdings auch von einigen
heftigen Attacken des Männchens gegen das Weibchen (Abb. 5). Herbei kommt es durchaus auch
zu Verletzungen, wie die Abb. 7 zeigt. Sauberes Wasser vorausgesetzt, heilen diese aber gut ab.
Die Weibchen machen nach einigen Ablaichvorgängen aber einen doch recht ramponierten Eindruck.
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Abb. 5.: Attacke gegen das Weibchen
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Den Ablaichvorgang konnte ich leider bislang nicht im Bild festhalten. Die Fische haben damit
immer gewartet, bis ich es aufgegeben hatte, hinter der Kamera vor dem Fotobecken zu kauern.
Vermutlich wollten sie dabei nicht gestört werden. Wenn ich dann später wieder in den
Keller kam, um nach den Fischen zu sehen, stand regelmäßig das Männchen unter dem
Nest (Abb. 6) und seine Partnerin war in der Dekoration verschwunden. Die brutpflegenden Männchen
sind extrem aggressiv. Jetzt auch gegen andere Fischarten. Das abgebildete Männchen griff sogar
durch die Scheibe im Nachbaraquarium schwimmende, nur 1,5 cm lange, Tanichthys micagemmae an,
die von anderen Makropoden ignoriert wurden. Bei Fischen im gleichen Aquarium wird auch nicht lange
gefackelt. Wenn er den Fisch erwischt, fliegen die Schuppen.
Das Weibchen wird auch weiterhin in der Nähe des Nestes geduldet. Seine Aufgabe ist es nun, wie
bei den Makropoden üblich, die weitere Umgebung des Schaumnestes gegen Bruträuber zu
verteidigen. Eifrig patroulliert es an den Scheiben des Aquariums entlang. Es müssen allerdings
ausreichend Rückzugs- und Versteckmöglichkeiten vorhanden sein, damit das Weibchen den
teilweise vehementen Angriffen des Männchens in der Enge des Aquariums ausweichen kann, die es
unweigerlich ausslöst, wenn es dem Nest zu nahe kommt. Nach einer kurzen Verfolgungsjagd kehrt
das Männchen zum Nest zurück, während seine Partnerin im Hintergrund bleibt und auf seine
Chance wartet, den gemeinsamen Nachwuchs zu schützen.
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Abb. 6.: Brutpflegendes Männchen
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Wenn das Männchen zu einer Inspektionsrunde durch das Aquarium aufbricht, übernimmt sofort
das Weibchen die Aufgabe der Nestbewachung (Abb. 7). Im Nachbaraquarium befand sich ein
weiteres Pärchen der Hongkong-Makropoden, welches das Weibchen drohend und kampfbereit
beobachtet. Bei anderen Paradiesfisch-Arten wurde schon beobachtet, dass das Weibchen, nachdem das
Männchen entfernt wurde, selbst die komplette Brutpflege übernahm. Ich habe noch keine
Versuche in dieser Richtung nternommen, gehe aber davon aus, dass sich dies bei den
Hongkong-Makropoden ebenso verhält.
Auch wenn diese Fischart vielleicht nicht ganz so prächtig ist, wie ihre Verwandten, lohnt sich
alleine schon wegen des interessanten Verhaltens die Pflege dieser Fische im Aquarium. Bei einer
Vergesellschaftung mit anderen Fischen ist allerdings Vorsicht angesagt. Zum einen wegen der
Aggressivität während der Brutpflege, zum andern scheinen sie aber auch recht empfindlich
gegen verschiedene Fischkrankheiten zu sein. Wenn ernsthaftes Interesse an diesen Fischen besteht,
können Sie sich gerne an mich oder die IGL wenden.
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Abb. 7.: Kampfbereites Weibchen
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Letzte Änderung: 28.2.2003
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Literatur
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Freyhof, Jörg & Herder, Fabian, 2002, "Review of the paradise fisches of the genus
Macropodus in Vietnam, with description of two new species from Vietnam and southern China
(Perciformes: Osphronemidae)", Ichthyol. Explor. Freshwaters, Vol 13, No. 2,
pp 147-167
-
Paepke, H.-J., 1994, Die Paradiesfische, Die neue Brehm-Bücherei Bd. 616, Westarp
Wissenschaften, Magdeburg
-
Chan, B.P.L. & Töpfer, Jörg, 2000, Bemerkungen zu einem neuen Fundort des
Schwarzen Makropoden, Macropodus concolor Ahl, 1937, Der Makropode, 22:115-117
-
Seehaus, Thomas & Schmidt, Jürgen, 2002, Ihr Hobby Makropoden - Paradiesfische,
bede-Verlag, Ruhmannsfelden
-
Seehaus, Thomas, 2000, Bunte Farben, Prächtige Flossen, Paradiesfische, Macropodus
opercularis Aqarium live 4(5), 1, 4, 20-28
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Hinweis: Alle hier gezeigten Bilder entstanden mit der Nikon Coolpix
5700 und zwei entfesselt eingesetzten Blitzen, von denen einer mit dem Blitzkabel SC-17 an der
Kamera angeschlossen war. Bei dem zweiten handelte es sich um einen Unomat-Sklavenblitz, dessen
Licht mit einem davor befestigten Blatt Papier als Diffusor abgemildert war.
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