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Zum Aggressionsverhalten der Kampffische der Gattung Betta (Labyrinthfische)
Fotos Krystyna Schehl, Text Thomas Seehaus
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Unter den Aquarianern haben die Kampffische leider oft einen schlechten Ruf,
da ihnen extreme Aggressivität untereinander wie auch gegenüber anderen Arten
nachgesagt werden. In diesem kurzen Aufsatz soll versucht werden das Bild
der Kampffische etwas zurechtzurücken und die Ursachen der Fehlinformation
unter den Aquarianern aufzudecken.
1. Herkunft des Namens
Den deutschen Namen hat die Gattung der Art Betta splendens, dem siamesischen
Kampffisch, zu verdanken. Spezielle Zuchtstämme dieser Art werden seit langem
für Fischkämpfe eingesetzt, bei denen es, wie bei Hahnenkämpfen, um hohe
Wetteinsätze geht.
Betta splendens 'Koh Samui', sehr junges Männchen
Der wissenschaftliche Name ist der javanischen Bezeichnung "Wader Bettah" für
Betta picta, den Javanischen Kampffisch, nachempfunden (Vierke, 1978).
2. Die Gattung Betta, Kampffische
Innerhalb der Überfamilie der Labyrinthfische (Anabantoidea) ist die Gattung
Betta mit derzeit etwa 25 Arten die größte. Die Zahl der Arten dürfte sich
aber noch weiter erhöhen, da vor allem von der Insel Borneo jährlich
Neuentdeckungen gemeldet werden. In der Fischbestandsliste der IGL
(Internationale Gemeinschaft für Labyrinthfische) werden zur Zeit circa 70,
zum Teil noch unbestimmte, Arten und Fundortvarianten geführt.
Ethologisch (verhaltensbiologisch) können wir zwei Typen des Brutpflegeverhaltens bei den
Kampffischen unterscheiden, das Schaumnestbauen und das Maulbrüten. Es hat
daher nicht an Versuchen gefehlt, die Gattung Betta in Maulbrüter und
Schaumnestbauer aufzuspalten (z.B. Richter, 1981), die aber nicht anerkannt
wurden (Vierke, 1982). Zudem gibt es Hinweise, daß das Maulbrüten, als
Anpassung an das Leben in fließenden Gewässern, bei den ursprünglich
schaumnestbauenden Kampffischen mehrmals unabhängig von einander entstanden
ist (Donoso-Büchner, 1995). In diesem Fall müßten sogar mehrere neue Gattungen
eingeführt werden. Eine gründliche Revision steht aber noch aus.
Betta
splendens 'Koh Samui', Weibchen
3. Die Arten und Gruppen
Die folgende Einteilung der Arten in Gruppen folgt Donoso-Büchner (1995) und
soll keinesfalls als feststehende taxonomische Einteilung gelten. Die Arten
werden in Gruppen eingeteilt, die über Ähnlichkeiten in Habitus und Ethologie
verfügen. (12/99 Anm. d. Autors: Die folgende Liste ist nicht vollständig. Neuere
Entwicklungen in der Taxonomie der Gattung Betta wurden und werden nicht nachgearbeitet.)
I. Schaumnestbauer
a) Splendens-Gruppe
- Betta imbellis, Kleiner Kampffisch (Diese Art wird neuerdings als Synonym zu Betta
rubra aufgefaßt)
- Betta smaragdina, Smaragdgrüner Kampffisch
- Betta splendens, Siamesischer Kampffisch (Stammform des Schleierkampffisch)
b) Kleine Rote Kampffische
- Betta coccina, Weinroter Kampffisch
- Betta tussyae
- Betta burdigala
- Betta persephone
- Betta brownorum, Brown's Kampffisch
- Betta rutilans
c) Betta bellica, Großer Kampffisch (diese Art unterscheidet sich deutlich von allen
anderen Schaumnestbauern.)
II. Maulbrüter
d) Kleine Maulbrüter
- Betta edithae, Edith's Maulbrütender Kampffisch
- Betta picta, Javanischer Kampffisch (Diese Art wurde früher für Betta rubra
gehalten.)
Anm.: Diese beiden Arten scheinen den Schaumnestbauern der Splendens-Gruppe nahezustehen, man
beachte auch das Verwirrspiel um die Art Betta rubra.
e) Unimaculata-Gruppe
- Betta unimaculata, Riesen-Kampffisch
- Betta macrostoma
- Betta albimarginata
f) Große Maulbrüter (Pugnax-Gruppe)
- Betta pugnax
- Betta akarensis, Leiterflossenkampffisch
- Betta fusca
- Betta macrophthalma
- Betta brederi
- Betta anabatoides
- Betta balunga
- Betta cf. dimidiata
- Betta waseri
- Betta foerschi
4. Aggressionsverhalten
Bezüglich des Verhaltens muß grundsätzlich zwischen schaumnestbauenden und
maulbrütenden Arten unterschieden werden. Letztere sind nur zum Ablaichen an
einen bestimmten Ort angewiesen. Nach dem Laichvorgang sucht das eiertragende
Männchen dichte Pflanzenbestände oder Verstecke im Uferbereich seines
Wohngewässers auf, wo es sich bis zum Entlassen der Jungen versteckt hält. Bei
manchen Arten wird das Männchen vom Weibchen für eine kurze Zeit bewacht. Eine
Revierverteidigung ist daher nicht nötig. Dies ist sicher auch der Grund für
das Fehlen plakativer Farben, da Tarnung eher angesagt ist als Warnung. Bei
der Haltung von maulbrütenden Kampffischen im Aquarium stellt daher
innerartliche Aggression kein Problem dar, sofern die schwimmfreudigen und gut
springenden(!) Tiere genügend Raum vorfinden.
Anders sieht es bei den Schaumnestbauern aus. Hier ist eine Verteidigung des
Schaumnestes sehr wohl nötig! Mit leuchtenden Farben und üppiger Beflossung
(auch bei den Wildformen!) warnen die Männchen eventuelle Rivalen vor einer
Annäherung an das Nest. Ein sich näherndes Männchen wird vehement angegriffen
und in der Regel auch sofort in die Flucht geschlagen. Der Rivale wird jedoch
nur kurz verfolgt, dann eilt das Männchen zu seinem Nest zurück. Die
Verteidigung der weiteren Umgebung übernimmt häufig das Weibchen! (Seehaus,
1996)
Betta splendens 'Koh Samui', junges Männchen
Das Aggressionsverhalten der männlichen >Betta splendens wird in SO-Asien für
Fischkämpfe ausgenutzt. Die hierzu verwendeten Fische sind speziell auf hohe
Aggression gezüchtet. Zudem werden die Kämpfe in kleinen Glasgefäßen ohne
Versteckmöglichkeit durchgeführt. Unter diesen Bedingungen enden die Kämpfe
meist tödlich. Die ganze Gattung der Kampffische hat hierdurch den Ruf starker
Unverträglichkeit der Männchen untereinander erhalten. Lediglich Betta
imbellis wird häufig als "Friedlicher" Kampffisch bezeichnet und die Haltung
mehrerer Männchen in einem Becken für möglich erachtet.
In der Tat ist Betta imbellis jedoch genauso aggressiv wie Betta splendens,
mit dem Unterschied, daß ein ausgewachsenes B. splendens Männchen etwa dreimal
so schwer ist wie ein B. imbellis und daher auch sehr viel größere Reviere
verlangt. Wenn man zwei B. imbellis-Männchen in ein Marmeladenglas setzt, werden
sie sich genauso bekämpfen wie zwei B. splendens-Männchen! Das gleiche gilt
auch für Betta smaragdina, aber auch für "friedliche" Zwergbuntbarsche! Man
sollte B. imbellis daher besser "Kleiner Kampfisch" nennen.
Unter normalen Bedingungen kann man z.B. drei Betta splendens-Männchen der
Wildform mit einigen Weibchen in einem 100l-Aquarium halten. In den ersten
Tagen wird es zu Auseinandersetzungen kommen, die auch durchaus zu
Beschädigungen der Flossen führen können. Diese heilen aber gut ab, und stören
die Tiere kaum. Sobald eine Rangordnung ausgehandelt ist, herrscht jedoch,
abgesehen von kleineren "Grenzstreitigkeiten", Ruhe im Becken.
Betta
splendens 'Koh Samui', Pärchen
Die Steuerung des aggressiven Verhaltens geschieht über die Färbung und die
Körperhaltung. Revierbesitzende Männchen zeigen leuchtende Farben und tragen
den Kopf "oben". Bei Annäherung eines Rivalen werden die großflächigen Flossen
aufgespannt, um die ganze Pracht und Stärke des Besitzers zu demonstrieren.
Wenn der Bedrohte nicht sofort das Weite sucht wird er angegriffen, was aber
selten nötig ist.
Unterlegene Männchen legen die Flossen eng an und verblassen in der Farbe und
senken den Kopf. Zudem zeigen sie häufig Weibchenfärbung, dunkle Längsstreifen
auf hellem Körper, und besänftigen so den Gegner.
Wenn man in einem 100l-Becken jedoch drei Männchen der Schleierform oder der
"Kampf"-Kampffische einsetzt, dann endet das meist mit Mord und Totschlag! Die
echten, kurzflossigen Kämpfer sind in ihrem Verhalten dermaßen degeneriert,
daß unterlegene Männchen das Demutsverhalten nicht mehr zeigen, überlegene
Männchen nicht mehr darauf reagieren! Sie kämpfen bis zum Tod weiter. Ihre
Verhaltensstörung geht sogar so weit, daß sie Weibchen angreifen und umbringen
können. Die Schleierkampffische sind zwar an sich weniger aggressiv, bei ihnen
kommt aber eine körperliche Degeneration, die Schleierflossen, zum tragen. Wie
oben dargelegt, gehört das Anlegen der Flossen zur Beschwichtigung des
Angreifers. Wenn das unterlegene Schleiermännchen seine Flossen anlegt, zeigt
es aber immer noch eine Silhouette, die aggressionsauslösend wirkt! Der
Angreifer wird daher seine Attacke nicht abbrechen. Da der unterlegene Fisch
außerdem durch die viel zu großen Flossen schimmbehindert ist, wird er sich
auch dem Angriff nicht ohne weiteres entziehen können. Es wird daher zu
schweren Verletzungen kommen.
Andere Fischarten, selbst naheverwandte Labyrinther, interessieren Kampffische
nur dann, wenn sie dem Nest mit den Eiern oder Larven zu nahe kommen. Dann
werden sie natürlich sofort attackiert, um sie zu vertreiben, was aber jeder
andere brutpflegende Fisch ebenso tut. An der Tötung eines anderen Fisches
ist ein "Kampf"-Fisch überhaupt nicht interessiert.
Dermaßen körperlich und seelisch degenerierte Tiere wie "Echte Kämpfer" und
Schleierkampffische sollten daher in unseren Aquarien nicht gepflegt werden,
zumal ihnen die Wildformen an Pracht in nichts nachstehen, meistens sogar
intensivere Farben zeigen und außerordentlich gewandte Schwimmer sind.
5. Literatur
Donoso-Büchner, R., 1995, Verwirrspiel um die "kleinen roten" Betta, Der Makropode, 5/6/1995,
S.67 ff.
Richter, H.J., 1981, Ein notwendiger Schritt - Einführung eines neuen Gattungsnamen für
die maulbrütenden Kampffische unter besonderer Berücksichtigung von Pseudobetta pugnax
(Cantor, 1849), Aquarien Terrarien 8/81, S.272 ff.
Seehaus, T., 1995, Arbeitsteilung bei Betta smaragdina, Der Makropode, 11/12/1996,
S.126 f.
Vierke, Jörg, 1978, Labyrinthfische und verwandte Arten,Engelbert Pfriem Verlag,
Wuppertal-Elberfeld
Vierke, Jörg, 1982, Anmerkungen zur Taxonomie der Labyrinthfische, speziell zur Gattung Betta,
Der Makropode, 5/82, S.56 ff.
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