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Neuimport von Macropodus ocellatus aus dem Jangtse-Gebiet?
Foto Frank Schäfer/Dieter Bork, Text und Fotos Thomas Seehaus
Dieser Artikel erschien in "Der Makropode"*, 1999, Heft 3/4, S.30
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Seit mehreren Jahren beschäftige ich mich nun mit Macropodus ocellatus, dem
Chinesischen Rundschwanzmakropoden. Der bislang in der IGL
(Internationale Gemeinschaft für Labyrinthfische) vorhandene Stamm geht anscheinend auf die
Importe von R. Haase aus der Gegend Hangzhou (siehe Karte bei Paepke) und O. Naujokat aus der Gegend
um Jining (siehe Karte bei Paepke) zurück (Saddey 1984, Vierke 1984, Naujokat 1984, Paepke
1994). Paepke beschreibt eine Fundstelle in Korea (Paepke 1994 a.a.O, S.91ff). Ob von den von dort
importierten Fischen Nachzuchten vorhanden sind, ist mir nicht bekannt. Paepke weist jedenfalls auch
die Tiere von Haase und Naujokats als Stammeltern der bei uns gehaltenen Rundschwanzmakropoden aus.
Meines Wissen fand danach bis 1996 keine weitere Einfuhr von Wildtieren mehr statt. In der Aqualog
News Mai '96 wurde dann eine Neueinfuhr von Rundschwanzmakropoden durch Aquarium Glaser (Rodgau)
erwähnt, allerdings gelang es mir nicht an Tiere aus dieser Sendung zu kommen.
Im März '98 fand ich dann im Internet (www.aquanet.de) eine Anzeige eines Aquarianers aus
Bamberg, der Wildfangnachzuchten von Macropodus ocellatus anbot. Ich nahm sofort per EMail
mit ihm Kontakt auf. Die Wildfänge stammten aus dem Handel, der Fundort war aber nicht bekannt.
Wir wurden schnell handelseinig und noch in der gleichen Woche kamen 15 Tiere bei mir an.
Schade war nur, daß überhaupt keine Informationen über die Herkunft der neuen
Wildfänge zu erhalten waren, außer, daß die Tiere aus China stammten. Ich wandte
mich an Frank Schäfer, der über gute Kontakte zu Aquarium Glaser verfügt und der mir
am Telefon versicherte, es gäbe keine Chance die Herkunft zu erfahren. Ein paar Tage
später (Anfang Juni '98) erreichte mich aber ein Brief von ihm mit der Mitteilung, der
stellvertretende Geschäftsführer von Aquarium Glaser habe bei den Exporteuren in Peking
nochmals nachgefragt und diesmal die Antwort erhalten, die Tiere stammten aus dem unteren und
mittleren Jangtse (Changjiang). Diese Mitteilung ist sicher mit einigen Fragezeichen zu versehen,
zumal sie mehr als ungenau ist.
Von den Haase- und Naujokat-Importen wurden seinerzeit keine Unterschiede berichtet, obwohl
beide Fundorte etwa 750 km Luftlinie von einander entfernt sind. Die "Jangtse"-Tiere hingegen
unterscheiden sich in mehreren Merkmalen deutlich von dem alten Stamm, die mir zum Teil schon beim
Auspacken auffielen und die hier kurz umrissen werden sollen.
Während M. ocellatus recht hochrückig und seitlich zusammengepreßt
erscheint, weisen die M. ocellatus "Jangtse" einen eher rundlichen
Körperquerschnitt auf. Diese Unterschiede treten schon bei etwa 1 cm langen Jungfischen auf.
Der bei Paepke erwähnte Stiernacken der Männchen findet sich bei M. ocellatus
"Jangtse" nur andeutungsweise. Die Beflossung der M. ocellatus "Jangtse" ist weniger
üppig. Paepke erwähnt, daß sich die Ventralen nach einigen Generationen unter
Gefangenschaftsbedingungen verlängern können. Da ich derzeit nur F1- und F2-Tiere pflege,
konnte ich einen solchen Effekt noch nicht beobachten.
Die Jungfische von M. ocellatus "Jangtse" sind hübsch bronzefarben, die von
M. ocellatus hellgrau bis weißlich. Die Färbung der erwachsenen
M. ocellatus ist kräftiger, vor allem die Gesichtsmasken der Männchen sind
sehr viel kontrastreicher als bei den M. ocellatus "Jangtse", die insgesamt
verwaschenere Farben und auch weniger Glanzpunkte in den Flossen zeigen.
Auch im Verhalten sind Unterschiede zu beobachten. Von Anfang an fiel mir die ausgeprägte
Scheu der M. ocellatus "Jangtse" auf. Bei der geringsten Störung schießen die
Tiere hektisch im Becken umher und suchen, wenn möglich, Schutz am Boden und im Mulm. Dieses
Verhalten zeigen sie bei mir unter allen Hälterungsbedingungen. Den Sommer über halte ich
alle Makropoden, außer M. concolor, in Wannen auf dem Balkon, die mit Zwergseerosen oder
Seekannen bepflanzt sind. Die Oberfläche wird zusätzlich mit Muschelblumen und
Wasserhyazinthen abgedeckt. Die ocellatus verbleiben dort bis zum ersten Frost. Den Winter
verbringen sie dann in Wannen im Keller. Zur Zucht setze ich die Tiere paarweise in Aquarien an. Die
"alten" M. ocellatus sind bei weitem nicht so scheu. Wenn auch M. ocellatus
bei weitem weniger aggressiv als die anderen Macropoden-Arten ist, so verläuft doch die Balz
sehr impulsiv. Nicht laichbereite Weibchen können von den balzenden Männchen arg
zerschunden werden, wenn sie keine Rückzugsmöglichkeiten haben. Typisch ist die helle,
cremigweiße Färbung der laichbereiten Weibchen. Diese Färbung habe ich bei den neuen
ocellatus nur andeutungsweise gesehen. Die Balz verläuft anscheinend wenig
spektakulär. Zumindest werden die Weibchen nicht so heftig verfolgt und auch nach dem Ablaichen
in der Nähe des Nestes geduldet. Bei meinem letzten Ansatz war ich völlig überrascht,
als ich nach etwa einer Woche kleine Larven im Becken entdecken konnte. Ich hatte zwar ein
Schaumnest gesehen, aber weder habe ich das Männchen balzen, noch die Umfärbung des
Weibchen oder die typischen Angriffe brutpflegender Männchen auf ihre Partnerinnen gesehen.
Hier könnte aber auch die extreme Scheu der Tiere eine Rolle spielen, die durch meine
Anwesenheit vor dem Becken gestört waren.
Bei einer Art, die über ein so großes Verbreitungsgebiet verfügt, das gesamte
Gebiet erstreckt sich von Hongkong im Süden bis zum Amur im Norden, sind natürlicherweise
Variationen zu erwarten. Solche Divergenzen können verschiedene Ursachen haben. Da über
den Fundort der M. ocellatus "Jangtse" leider nichts bekannt ist, können wir nur
mutmaßen. Vielleicht handelt es sich um eine Anpassung an andersartige Biotope, stehende
Gewässer bei M. ocellatus , vielleicht Fließgewässer bei
M. ocellatus "Jangtse"?
Denkbar wäre auch eine genetische Schädigung durch übermäßigen
Pestizideinsatz, wie er von Christian-Peter Steinle für China (persönliche Mitteilung)
berichtet wurde.
Insgesamt ist es recht interessant solche Unterschiede innerhalb einer Art beobachten zu
können. Da die M. ocellatus "Jangtse" aber insgesamt weniger attraktiv erscheinen
als die "alten" M. ocellatus, werden sie es schwer haben, sich in unseren Aquarien zu
halten.
Literatur
Naujokat, Otto, 1984, Aquarienmagazin, Heft 7, S.305-307
Paepke, Hans-Joachim, 1994, Die Paradiesfische, Westarp Wissenschaften, Magdeburg
Saddey, Heinz, 1984, Das Aquarium, 179, S.237
Vierke, Dr. Jörg, 1984, Das Aquarium, 184, S.506-510
*offizielles Organ der Internationalen
Gemeinschaft für Labyrinthfische
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Macropodus ocellatus 'Jangtse', ausgewachsenes Männchen ©(1999) Schäfer/Bork
 junges Männchen ©(2005) Seehaus
 junges Pärchen ©(2005) Seehaus
 junges Weibchen ©(2005) Seehaus
 junges Männchen ©(2005) Seehaus
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